Review: Das Unikat und 100 gefühlte Gedichte

Von Roger Peiffer

Als ich den Titel das erste Mal las, habe ich mir die Frage gestellt warum es wohl heißt "....gefühlte Gedichte"? Als ich das Buch dann anfing zu lesen war mir schnell klar, dass es sich nicht, wie so oft bei Büchertiteln um eine Floskel handelt, sondern dass Roger nicht zu viel verspricht wenn er von "gefühlten Gedichten" redet. Denn jedes seiner 100 Gedichte zeigt seine ganz persönlichen Gefühle. Und gerade deshalb gehen sie wohl so sehr unter die Haut. 

Wenn man Gedichte mag, dann kennt man die bedeutenden Poeten wie Shakespeare, Goethe, Schiller, Heine, Rilke und viele mehr. Sie alle sind wunderbar zu lesen, Inspirationsquellen und wichtig um sich mit der Literatur und Poesie auseinandersetzen zu können und seinen Sinn für das geschriebene Wort zu schulen.
Komplementär dazu braucht es aber für mich auch den Dichter, der neben mir im Bus sitzen könnte. Der sich nicht mit den Großen der Weltliteratur zu messen braucht und einfach das sagen kann was er fühlt. Jemand der die Problematik unserer Zeit kennt: die Emotionslosigkeit die vielerorts herrscht. Jemand der seine Gefühle in Worte fassen kann. 

Hier ist eins meiner Lieblingsgedichte von Roger ist:

Was übrig bleibt

Ein Gefühl der Leere
Alles ist so ungewohnt
Eine kalte Atmosphäre
Unverschont und Monoton

Sich selber wiederfinden
Vorher war man wie geteilt
Die Einsamkeit jetzt überwinden
Bis die Zeit die Wunden heilt

Es gilt sich zu befreien
Den alten Mantel abzulegen
Zu vergeben und zu verzeihen
Man geht jetzt auf getrennten Wegen

.....

Diese Zeilen berühren so tief, und treffen ins Herz. Dabei kann man sehen, lesen, spüren, welch sensible Seele in Roger wohnt. In einer Zeit, in der nur noch jeder darauf bedacht ist, mehr Schein als Sein nach Außen zu zeigen, ist es gerade deshalb so wunderbar, Rogers Gedichte zu lesen. Sie sind authentisch, ehrlich und kommen von Herzen. Sie sprechen wohl auch unsere Gefühle aus, die wir uns aber nicht unbedingt trauen würden zu verraten... aus Angst verletzt zu werden. Gerade deshalb habe ich soviel Respekt vor Roger’s ehrlicher Aussage zu seiner Gefühlswelt. Ich kann euch sein Gedichtsband echt ans Herz legen!

Auch Roger habe ich einige Fragen zu seiner Person gestellt. Ich lasse die Antworten in seiner Muttersprache dem Luxemburgischen, um diese mit keinem Wort, keiner Silbe zu verfälschen.


Wie kam der Kontakt mit der deutschen Nationalbibliographie zustande ?
Si hu mech fonnt, wéi weess ech net.

Wieso ist es dir so schwergefallen dich als Poet zu outen?
Well eng gewësse Sentimentalitéit an eiser Gesellschafft scho bal als Schwäch ugesi gëtt.
Déi Art a Weis wéi ech schreiwen as nobäi mat sech ausdoën gläichzestellen
Et ass een Abléck a meng Séil…

Du hast das Buch in Kapitel eingeteilt, die mit der Danksagung naher Freunde einhergehen.  Dieses gibt einen kleinen Einblick in dein Leben und Schaffen. Ist es dir schwergefallen die Tür zu deiner Privatsphäre zu öffnen?
Wou ech mech bis entscheed hat meng Gedanken mat aanere Mënschen ze deelen, hunn ech mir folgendes als Schutz opgebaut.
Wan ee mech gefrot huet op dat aktuell ass, ass meng Standartäntwert déi folgend.
Ech schréiwen iwwert d’Vergaangenheet, iwwert dat wat ech mir an Zukunft wënschen, iwwert dat wat ech grad fillen an iwwer Mënschen déi mech inspiréieren.

Liest man deine Gedichte merkt man, dass du viele Emotionen darin verarbeitest? Bist du eher ein optimistischer Mensch ? Ein Melancholiker? Introvertiert?
Ech sinn ee ganz sentimentale Mënsch , an ech liewen no Gefill.
Heiansdo sinn ech melancholëch, och heiansdo introvertéiert, mee ech denken dat gehéert bei mengen Gedichter dozou fir iwwerhaapt esou schreiwen ze kënnen.

Ist der Schreibprozess eher ein von der Seele schreiben oder versuchst du deinen Lesern Lebensweisheiten mit zu vermitteln?
Mir ass zu engem gewëssen Zäitpunkt d’Welt ze kal ginn an et huet mir u Gefill gefeelt. Et war mir guer net bewosst dass et villen anere Mënschen genausou geet. Ech hätt och ni gedued dass sech dat alles esou entwëckelt.

Welches waren die prägnanten Lebenserfahrungen die dich in deinem Schreiben am stärksten beeinflussen?
Duerch den Doud vu menger Frau an der Aufgab meng 2 Kanner elleng ze erzéien hunn ech op villes verzichte mussen, wat ech natierlëch gäre gemaach hunn.
Wann ech dann nach Zäit hat, hunn ech geschriwwen. D’Schréiwen huet mir gehollef alles ze meeschteren.

Was sind die drei Dinge im Leben, die dir am wichtigsten sind?
Un éischter Stell meng Kanner, un zweeter d’Liewensgefill an un 3ter wëll ech de Mënschen déi meng Gedichter liësen einfach eng Freed maachen, an se drun errënneren dass Frick net alles ass…

Welches sind deine Vorbilder in der Poesie? Als Autor?
Ech hu keng, an ech liësen och keng. Ech wëll mech a mengem schreiwen guer net beafloosse loossen.

Roger ich danke dir für das Interview und dieses wunderbare Gedichtsband und würde mir wünschen noch sehr sehr viel von dir zu lesen. Die Welt braucht Menschen wie dich, die sich trauen das zu sagen was sie fühlen!

Wenn ihr noch mehr von Roger lesen wollt, dann schaut doch morgen mal auf der Facebook Seite von Rosport vorbei oder folgt auch gerne Roger’s eigener Facebook Seite De Poet. Martine selbst hat auch eine Facebook Seite wo ihr noch viele mehr ihrer Interviews und Buchrezensionen finden könnt. 

About the author

Martine
Martine

Musik, Natur, Sport, Kunst und Kultur und vor allem Lesen. Dies sind einige meiner vielen Interessen. Geboren in Luxemburg und wohnhaft im Westen, bin ich in der Mitte des Lebens angekommen und genieße dessen Vielfalt jeden Tag aufs Neue. 

Die Literatur ist für die Menschheit das, was Träume für den Einzelnen sind. Isabel Allende